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Die eigenen Stärken nutzen

Der Sozialmarkt setzt auf die Kompetenzen seiner Beschäftigten

Jörn D. ist gehörloser Modellbauer. Er baut wunderschöne Sachen. Holzschiffe, Puppenhäuser, selbst Musikinstrumente, die er selbst nie klingen hören kann. Auf dem ersten Arbeitsmarkt findet er keine Stelle – zu schnell ist das Tempo, zu hoch der Druck, als dass sich Betriebe im harten Wettbewerb um die Stärken und Schwächen ihrer Beschäftigten kümmern könnten. Aber beim Sozialmarkt in Spandau hat Jörn D. eine wichtige Aufgabe. Hier arbeiten rund 80 ÖBS’ler und bereiten die Sozialmärkte vor. Ehemals Erwerbslose produzieren und arbeiten Waren auf, die Menschen mit geringen Einkommen und Hartz IV-BezieherInnen für wenig Geld erwerben können. Und es sind schöne Dinge: gut aufgearbeitete Kleidung, tip-top funktionsfähige Fahrräder, Elektrogeräte, neu produzierte Deko-Artikel und vieles mehr. „Ich habe eine richtige Arbeit“, freut sich Sabine K. Sie arbeitet im Wäschelager, arbeitet gespendete Kleidung minutiös auf. „Man freut sich drauf, steht jeden Tag auf und weiß auch, dass man was sinnvolles tut“, ergänzt Ingrid J.  Ihre Kolleginnen aus der Näherei zeigen stolz ihre Produkte: Jeanstaschen aus alten Hosen, Stofftiere und neu gestrickte Pullover. „Es wäre sehr gut, wenn wir weiter so eine Arbeit haben können“, sagt Olga I unter entschiedenem Nicken von Tamara C. und Elena S. „Ich bleibe hier bis zur Rente“, erklärt Frau B. in der Kreativwerkstatt entschieden. „Ich bin treu“. Nein – zu Hause möchte sie nicht bleiben. Sie möchte arbeiten und was sinnvolles tun. Das kann sie hier. So geht es auch den Kollegen in der Elektrowerkstatt. Sie alle haben lange Arbeitsleben hinter sich, einer als Fernfahrer, einer als Elektromechaniker, einer kam aus der Selbständigkeit übers Sozialamt in Hartz IV. „Hier ist es viel besser als in einem Ein-Euro-Job“, sagt Rudolf J. „Ich bin unabhängig, muss nicht immer zum Jobcenter, der ganze Papierkrieg bleibt mir erspart. Ich habe richtige Arbeit und das kurz vor der Rente“. Die Kundinnen und Kunden kommen gerne zum Sozialmarkt. „Hier finde ich immer was“, berichtet eine Mutter mit zwei Kindern. Die spielen völlig verzückt mit einem quietsch-rose Holz-Backofen. Eine Stoffente fährt darin Fahrstuhl. „Hier kann ich es mir leisten, mal was für die Kinder zu spielen zu kaufen und gute Kleidung oder auch mal ein bisschen Dekoration, wenn jetzt Ostern kommt. Auch bei uns soll es schön aussehen“. Und das Beispiel des Sozialmarkts macht ihr Mut. Es ist möglich, aus dem Teufelskreis von Hartz IV und Hoffnungslosigkeit zu entrinnen, meint sie. Denn sie hat eine eigene Geschäftsidee, die sie ganz bald dem Jobcenter unterbreiten möchte. Beim Sozialmarkt trifft sie auf eine Menge Menschen mit viel Erfahrung, die ihr wertvolle Tips geben können....
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