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27.01.2012

Aus für die Kiezlotsen im Auguste-Viktoria-Kiez

Nur noch wenige Arbeitstage liegen vor den sechs Nachbarschaftsotsinne und -lotsen. Dann müssen sie wieder zum Jobcenter und sind erwerbslos. Und das nach drei Jahren guter und erfolgreicher Arbeit in ihrem Kiez.

Seit drei Jahren existiert die Gesobau Nachbarschaftsetage in Reinickendorf. Hier begann die Arbeit der Nachbarschaftslotsen. Heute wurden sie verabschiedet. "Ich hoffe, dass ich nicht allzu viele dieser Abschiedsveranstaltungen erleben muss", sagte Richard Palm von Albatros, dem Träger des Projektes Nachbarschaftslotsen, eingangs. Er stellte mit seiner Kollegin Dräger das Projekt und seine Erfolge noch einmal vor.
Die NachbarschaftslotsInnen bauten den Kontakt zu BewohnerInnen im Kietz auf, begleiteten die sie zu Ärzten und auf die Ämter und kooperierten mit Schulen. Im Laufe der Jahre suchte auch das Bezirksamt Reinickendorf immer mehr die Zusammenarbeit mit den Lotsinnen und Lotsen. Denn sie sind es, die auch den Behörden, Schulen, Äerztinnen und Ärzten oftmals überhaupt erst den Zugang zu vielen BewohnerInnen im Kiez eröffnen konnten, die kulturelle Hürden und nicht nur Sprachbarrieren überwanden. Davon berichtete auch ein Schulleiter, der oft beobachtete hatte, wie die Arbeit der Nachbarschaftslotsen Eltern aktivierte und damit auch die Schulerfolge ihrer Kinder anwuchsen. 

Die Reinickendorfer Lotsinnen und Lotsen waren alle im ÖBS beschäftigt. Wir haben sie schon öfter besucht und wissen, wie gut sie gearbeitet haben und wie diese Arbeit auch sie selbst verändert hat.
Auch der Reinickendorfer Stadtrat Andreas Höhne (SPD) bedankte sich für die geleistete Arbeit und unterstrich die Wichtigkeit der Lotsinnen und Lotsen für den Bezirk. Er bedauerte, dass die ÖBS-Stellen auslaufen und hofft weiter auf eine Zukunft dieser Arbeit. Auch Hakan Tas und ich bedankten uns bei den LotsInnen für die Areit. Ich erinnerte noch einmal, dass bei der der Einführung des ÖBS und damit auch der Projekte der Nachbarschaftslotsinnen, niemand an solche großen Erfolge der Arbeit gedacht hätte. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, wie groß die der Schaden sein wird, den der neue Senat mit der Abschaffung des ÖBS für diese Stadtgesellschaft anrichtet. Vergessen sind all die großen Worte, als SPD und CDU ihren Koalitionsvertrag schlossen und beteuerten, so wichtige Projekte wie die Stadtteilmütter und die Integrationslotsen auf jeden Fall weiter zu führen. "Die Projekte müssten dann halt in den jeweiligen Bezirken Anträge stellen," teilte Senatorin Dilek Kolat in der letzten Plenarsitzung mit, wenn es denn mehr Bürgerarbeit in Berlin gibt. Dass die IntegrationslotsInnen nicht in Bürgerarbeit gehen können und dass sie dort nicht existenzsichernd bezahlt werden, verschwieg die Senatorin. Mehr 

Eine Vertreterin der Gesobau sprach den LotsInnen indessen Mut zu und erinnerte jede und jeden auch an ihre persönliche Entwicklung, die sie in den drei Jahren durchlaufen haben. "Ihr könnt mit Stolz und erhobenem Kopf auf eure Erfahrungen und erfolge verweisen." Die LotsInnen erhielten all die Jahre viel Zuspruch von den BewohnerInnen des Kiezes. Heute bekamen sie viel Dank und Anerkennung von ihren Kooperationspartnern und von den anwesenden Politikerinnen und Politikern. Es gab Dankesschreiben, Urkunden, Blumen und Geschenke und es war spürbar, dass dies alles von Herzen kam. Es war eine schöne Abschiedsfeier für die KietzlotsInnen. Es wurde gelacht und es wurde geweint.

Elke Breitenbach, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeeordnetenhaus