Mark M., Diplom-Musikwissenschaftler aus Kirgisien, ist seit 15 Jahren in Deutschland. In seinem Beruf kann er hier nicht arbeiten. Jetzt arbeitet er die Lage der Kunst in der DDR zur Zeiten des Mauerbaus auf. Sein Kollege, Enrico K., erarbeitet gerade eine Ausstellung über den Mai 1945. Ein Team von Frauen rund um Teamleiterin Ursula K. erfasst die Presse der roten Armee in Berlin. Und Frank K., Kunsthistoriker, erschließt und digitalisiert einen einmaligen Nachlass. Der Kreuzberger Bürger Bernhard Elsner hat sein Leben in Tagebüchern von 1877 bis 1947 festgehalten, seinen Werdegang vom Kleinbürger zum glühenden Nazi und seiner Abkehr vom Nationalsozialismus.
Sie alle arbeiten im Zentrum für Kultur- und Zeitgeschichte in Marzahn-Hellersdorf im ÖBS. Dort findet sich das Pressearchiv der DDR, darunter die gesammelten Printausgaben des Neuen Deutschland, der Wochenpost, der Berliner Zeitung. Es finden sich auch noch Originalausgaben der Neuen Rheinischen Zeitung aus dem 19. Jahrhundert – Chefredakteur: Karl Marx. Nachdem das Bundesarchiv den DDR-Pressebestand Anfang der 90er Jahre nicht übernehmen wollte, war es privater Initiative überlassen, diese für die Dokumentation deutscher Geschichte einmalige Sammlung zu retten, zu erschließen, zu digitalisieren und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Und Weihnachten 2009 übergab der Tagesspiegel dem Zentrum sein Print-Archiv, das ansonsten den Weg in den unwiderruflichen Schredder gefunden hätte.
Aller hier im ÖBS Beschäftigten arbeiten gerne im Zentrum, sie alle haben das Gefühl, wichtige, notwendige Arbeit zu machen, die ansonsten nicht stattfinden würde. „Es ist so wichtig, dass man Leute nicht nur beschäftigt. Wir haben hier Arbeit, die auch was bringt“, so Enrico K. Die meisten hier Beschäftigten haben gute Qualifikationen, erworben in der ehemaligen Sowjetunion oder der DDR. Viele haben jahrelange Odysseen von Maßnahme zu Maßnahme erlebt und mussten erfahren, dass ihr Wissen nichts mehr zählt, ob als Pressefotografin, Ingenieur, Musikwissenschaftler oder Erzieherin. Hier können sie ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen und neue entwickeln. Und sie bekommen dafür viel Zuspruch auf öffentlichen Veranstaltungen, Ausstellungen, in ihrer Projektarbeit. Schulklassen kommen und nutzen das Archiv, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen. Die Beschäftigten umtreibt: wird es mit dem ÖBS weiter gehen, werden sie eine weitere Chance haben, diese für sie, aber auch für die Gesellschaft wichtige Arbeit weiter voranzubringen? Wir können nur versichern, alles zu unternehmen, dieses Projekt weiter zu unterstützen.
8. Mai -Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Befreiung selbst und die Wahrnehmung später zeigt eine Ausstellung in historischen Dokumenten, Plakaten, Zeitzeugen-Videos. Bemerkenswert: die Aufarbeitun der Lebensgeschichte eines ehemals glühenden Kreuzberger Faschisten, seine Zweifel und Wandlungen anhand seiner erhaltenen Tagebücher - alles organisiert, bearbeitet und aufgebaut von ÖBS-Beschäftigten