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Treffpunkt Zeughofstraße in Kreuzberg

Hier treffen sich Flüchtlinge, SeniorInnen, eine Gruppe Alkoholkranker und ... die ÖBS-Beschäftigten des Treffs

„Ich habe 36 Jahre als Schlosser gearbeitet, oft unter schwierigsten Bedingungen. Vor sechs Jahren habe ich meinen Job verloren – Firma pleite. Und jetzt soll ich für 1,50 Euro arbeiten?“ Dieter K. hat eine bewegte Berufskarriere hinter sich. Auf die Entlassung folgen Arbeitslosigkeit, eine ABM, ein Einsatz bei einer Zeitarbeitsfirma. „Da wurden wir behandelt wie die Sklaven“. Dann eine MAE, wie die Ein-Euro-Jobs in bürokratiedeutsch heißen.  Jetzt arbeitet er im Treffpunkt für Flüchtlinge und SeniorInnen in der Zeughofstraße in Kreuzberg. Genauer gesagt: er hat diesen Treffpunkt gemeinsam mit seinen Kollegen erst geschaffen. Einen Keller für Schrott haben sie in einen Kommunikationsraum mit Küche und regelmäßiger Versorgung in einem beeindruckenden Kellergewölbe verwandelt. Dort treffen sich die SeniorInnen aus dem angrenzenden Wohnheim und frühstücken und essen Mittag, hierher kommen viele der zum Teil hoch traumatisierten Flüchtlinge aus dem Wohnheim nebendran. Es gibt erste vorsichtige Annäherungen und im Sommer sogar gemeinsame Aktivitäten, denn auch der Garten ist jetzt nutzbar. Im Treff in der Zeughofstraße bekommen die ÖBS-Beschäftigten 1675 Euro – so will es der Tarif. Andre L. arbeitet jetzt seit bald zwei Jahren dort und ist stolz auf das Geschaffene. Aber er ist auch stolz auf sich selbst. 1997 hat der Facharbeiter, gelernter Betriebsschlosser, seine Arbeit verloren und der soziale Abstieg begann. Alkoholkrankheit, Ehe in die Brüche gegangen, Wohnung fast weg. „Mit der ÖBS-Stelle hat sich mein Leben grundlegend geändert“, sagt Andre L. „Ich habe eine neue Wohnung, eine Lebensgefährtin. Ich habe meinen Führerschein gemacht. Ich habe gelernt, nach vorne zu schauen, mein Leben in die Hand zu nehmen. Ich würde sagen, zu 80 % bin ich wieder oben“. Und er hat Angst, dass er wieder fällt, sollte seine Stelle im ÖBS nicht verlängert werden. Michael L. bekräftigt. „Früher habe ich mich hängen gelassen. Jetzt habe ich eine Aufgabe, habe viel mehr Selbstvertrauen. Habe sogar das Geld, meine Wohnung schön zu machen. Das wirkt sich auch auf die Freizeit aus. Ich habe wieder angefangen, Musik zu machen. Mit meinem Ensemble wandern wir durch die Krankenhäuser. Ich bin wieder dabei“, sagt er und seine Augen leuchten. Unterstützung findet er bei Norbert D., offenbar so etwas wie das Herz des Treffs. Denn er ist der Küchenchef. Er ist berühmt für seine Quark-Keulchen, die er nach einem alten Rezept seiner Großmutter herstellt und die einfach köstlich sind. Bei unserem Besuch mutieren sie zu „ÖBS-Bällchen“. Der gelernte Maurer war jahrelang auf dem Bau bis er 2003 arbeitslos wurde. Zurück konnte er nicht mehr, die Gesundheit spielte nicht mehr mit. Jetzt hat er im ÖBS einen Job, der ihm Spaß macht. „Und ich weiß, dass wir hier sinnvolles tun, dass wir den Menschen, die hier wohnen, Angebote ermöglichen, die das Leben schöner machen und die es ohne uns nicht geben würde“. Und damit trifft er den Kern des Berliner ÖBS: er öffnet den Beschäftigten neue Perspektiven, unterstützt die NutzerInnen ihrer Angebote und stärkt den sozialen Zusammenhalt im Kiez, in der Stadt.  
Infos über das Haus finden sich hier