Beim polnischen Sozialrat arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft
Der polnische Sozialrat ist eine feste Institution in Berlin. Seit 1982 organisiert er Beratung und Hilfestellung für Migrantinnen und Migranten - längst nicht mehr nur für polnische EinwandererInnen. "Mittlerweile kommen auch viele Türken, Kurdinnen und andere zu uns", berichtet Witold Kaminski, Vorstand des Sozialrats, der zu einer der wichtigsten migrantischen Selbstorganisationen der Stadt herangewachsen ist.
Der polnische Sozialrat hat wie die meisten anderen Selbstorganisationen wenig Mittel zur Verfügung. Ein Großteil der Arbeit wird über Ehrenamtliche und über ÖBS'lerInnen weg getragen.
Zu ihnen zählt Swetlana R. Sie ist Diplom-Bauingenieurin und Architektin, stammt aus der Ukraine und hat keine Chance, hier in ihrem Beruf zu arbeiten. Nach zwei Firmenpleiten und einer langen Karriere in Arbeitsmarktmaßnahmen ist sie jetzt ÖBS-Beschäftigte beim polnischen Sozialrat und unterstützt den Migrationsrat Berlin-Brandenburg bei der Organisation und Beratungsarbeit für russisch-sprachige MigrantInnen. Ihr Kollege, Necati D., ist auch kein typischer Vertreter eines polnischen Sozialrats. Der gelernte Tischler spricht türkisch, kurdisch und deutsch. Er hat ein Zertifikat als Gemeindedolmetscher. Seit er als Integrationslotse tätig ist, kommen verstärkt auch auch türkische und kurdische MigrantInnen. Als er seine ÖBS-Stelle bekam, spürte er eine riesen Erleichterung. "Da habe ich erst mal eine kleine Party gegeben", berichtet er. Und er sieht sich als Vorbild für andere. "Mein Erfolg als Migrant spielt bei meiner Arbeit eine große Rolle". sagt er. Beata R., Polin, ist aus dem Sozialrat nicht mehr wegzudenken. "Die Stelle ist für mich perfekt", sagt sie. "Ich liebe es hier zu arbeiten. Sie ist Beraterin für alle Fragen der Sozialgesetzbücher, des Gewerberechts, des Steuerrechts. All das ist für polnische StaatsbürgerInnen, die hier EU-Freizügigkeitsrechte genießen, von hoher Bedeutung. Immer wieder drohen sie von unseriösen Finanzberatern in aussichtslose Existenzgründungen gelockt zu werden. Die Vielfältigkeit der Beschäftigten spiegelt sich auch in der Vielfältigkeit der Aktivitäten wieder. So hat der Sozialrat u.a. ein Erzählcafe ins Leben gerufen. Migrantinnen und Migranten unterschiedlicher Herkunft erzählen sich ihre Einwanderungs- und Lebensgeschichten, erleben ganz unterschiedliche Blicke und Erfahrungshorizonte und manche bekommen auch eine andere Wahrnehmung ihrer eigenen Geschichte und gesellschaftlichen Stellung. Der ÖBS genießt denn auch beim Verein selbst ein hohes Ansehen. "Der ÖBS ist eine Chance, nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Träger und Vereine", sagt Witold Kaminski. Auch er setzt darauf, dass der ÖBS weiter geht und das Wissen, die Erfahrungen seiner ÖBS-Beschäftigten nicht verloren gehen.