"Ich habe hier Kompetenzen entwickelt, von denen ich früher gar nicht wusste, dass ich sie habe", Andre D. blickt mit Stolz auf seine Arbeit im Neli-Stadtteil-Treffe im Weitlingskiez in Lichtenberg zurück. Der studierte Politikwissenschaftler hat eine lange Arbeitslosigkeitskarriere hinter sich, bevor er hier sein Wissen einbringen konnte. Wir besuchen den Treff an seinem letzten Arbeitstag. Sein Vertrag im ÖBS ist ausgelaufen, eine Verlängerung nicht möglich, solange die Bundesregierung die Mittel für die Jobcenter gesperrt hat und alles unternimmt, um dem Berliner ÖBS und seinen Beschäftigten Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Andre D. ist deshalb wie seine Kollegin Sylvia S. sehr traurig. Sie hätten gerne weiter gearbeitet. "Wir haben hier richtig was aufgebaut und den Kiez stabilisiert", sagt er. Tatsächlich ist der Weitlingkiez berüchtigt als Nazi-Hochburg. Doch an den Neli-Treff hat sich noch keiner getraut. Hier finden Sprachkurse für unterschiedliche Migrantinnen und Migranten statt, Lesungen, Ausstellungen, Spielnachmittage, Beratungen unterschiedlicher Art und vieles mehr. Andre D. war Redakteur der Neli-Post, der Zeitung für Bürgerengagement und Soziokultur in Neu-Lichtenberg/Weitlingkiez. Ob sie jetzt weiter erscheinen kann, ist offen. Peter S. , Veranstaltungsorganisator und Anzeigenaquisitor, kann noch bis Mai im Neli-Treff arbeiten. Dann läuft auch seine Stelle aus. Ob sie verlängert werden kann, ist unklar. Alles hängt davon ab, ob die Bundesregierung ausreichend Mittel zuweist. "Wir brauchen einen echten zweiten Arbeitsmarkt", sagt er. So wie der ÖBS. "Wir haben hier nicht einfach eine Beschäftigung wie die Ein-Euro-Jobs", sekundiert Sylvia S. "Wir haben eine richtige Arbeit". und Peter S. ergänzt, ein Arbeitsvertrag, Einzahlungen in die Rentenkasse, regulräre BEschäftigung seien wichtig für das eigene Selbstwertgefühl, aber auch dafür, wie die NutzerInnen der Einrichtung ihn wahrnehmen. "Es ist auch für die Besucher hier ein Unterschied, ob man kurzfristig als Ein-Euro-Jobber irgendwo ist oder als richtig Beschäftigter". "Unser wichtigstes Kapital hier ist Vertrauen - und das haben wir hier aufgebaut, z.B. zu den Vietnamesen hier im Kiez", sagt Andre D. Das geht nur über einen längeren Zeitraum und lässt sich nicht schnell auf neue Beschäftigte übertragen. Soziale Arbeit lebt von Kontinuität und Vertrauen. Das kann der ÖBS leisten, wenn die arbeitsmarktpolitischen Instrumente des Bundes, die wir zur Grundfinanzierung der Gehälter nutzen, entsprechend angepasst werden.