24.02.2012
KidSch öffnet die Schulen
Das Projekt KünstlerInnen in die Schulen war ausgesprochen erfolgreich. Davon konnten wir uns bei einem Besuch im Jahr 2010 (s.u.) persönlich überzeugen. Und diese KidSch-Broschüre stellt das anschaulich dar.
Jetzt ist das Programm ausgelaufen. Der ÖBS wird vom rot-schwarzen Senat nicht mehr fortgeführt. Etliche Künstlerinnen und Künstler haben aber - vermittelt über ihre Arbeit im ÖBS - neue Beschäftigungsmöglichkeiten gefunden. Und der Träger hat aus dem Projekt heraus einen neuen Weiterbildungsgang für Künstlerinnen und Künstler entwickelt. Der läuft zwar nur über sieben Monate, aber bietet erwerbslosen KünstlerInnen aber immerhin die Möglichkeit, ihre Qualifikationen zu erweitern.
"Das Leben der 7 Zwerge nach Schneewittchen" - der Kurzfilm ist preisgekrönt, zweiter Platz im Wettbewerb "Pfeifen rauchen - Flaschen saufen", dritter Platz beim Kinder- und Jugendfilmfestival Potsdam. Produziert, gefilmt, geschauspielert hat die Klasse /K3 der Wald-Oberschule unter Leitung von Carola H. Sie hat an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam studiert, viele Fort- und Weiterbildungen im künstlerischen und pädagogischen Bereich absolviert. Dennoch war die alleinerziehende Mutter lange arbeitslos. Heute ist sie im ÖBS beschäftigt, im Projekt "Künstlerinnen und Künstler in die Schulen" und eilt mit ihren Schülerinnen und Schülern von Wettbewerb zu Wettbewerb, startet neue Projekte, ermutigt die Kinder, sich künstlerisch selbst etwas zuzutrauen. Mit Erfolg. Der Podcast "Dancetrack" hat es bis auf die internet-Seiten des Staatsballetts Berlin geschafft. "Für mich ist die Arbeit hier im Projekt extrem wichtig, um selber weiter zu kommen", sagt Carola H. "Ich habe hier richtig was aufgebaut. Die Schulen, an denen ich arbeiten, beginnen sich, viel mehr nach außen zu öffnen, beginnen zusammen zu arbeiten". Ein Projekt haben AbiturientInnen zusammen mit Sechst-KlässlerInnen gemacht. Carola H. ist stolz auf ihre Arbeit, und sie ist zuversichtlich, dass sie sich erheblich weiter qualifiziert hat. "Ich habe in zwei Jahren Arbeit bei KidSch die Qualifikation für die Nicht-Schüler-Prüfung für Erzieherinnen und Erzieher. Wenn ich die ablege, hat mein Schulleiter die Chance, mich weiter zu beschäftigen", ist sie optimistisch, ihre Arbeit fortführen zu können.
Michael S. konnte sich nie vorstellen, mal mit Kindern zu arbeiten. Der studierte Bildhauer ist vom Jobcentter auf KidSch aufmerksam gemacht worden und packte die Chance am Schopf. Heute arbeitet er mit den Lehrern zusammen im Kunstunterricht, entwickelt Projekte, die den Kindern den Zugang zu bildender Kunst verschaffen. "Ich werde an der Schule total respektiert, von Lehrern wie Schülerinnen und Schülern", sagt er. "Für mich ist die Arbeit hier wie eine Ausbildung". Aber auch den Kindern macht der Unterricht mit dem Bildhauer Freude. "Wir praktizieren eine andere Form der Wissenvermittlung. Bei mir geht es weniger um Fakten als darum, verschiedene Formen von Ästhetik erfahrbar zu machen".
Gerard M. hat Gesang studiert und war ebenfalls lange erwerbslos wie viele Künstlerinnen und künstler. Nur rund drei Prozent können tatsächlich von ihrer Arbeit leben. Der Sänger sieht in seiner Arbeit in der Schule eine kulturelle und politische Dimension, für Kinder und Jugendliche andere, neue Zugänge zu gesellschaftlicher Realität zu öffnen. "Für mich haben sich neue Möglichkeiten aufgetan, Verantwortung zu übernehmen und was machen zu können", sagter. Er ist an seine Schule gekommen. Da war gerade der Chor geschlossen worden. Personalmangel. Er hat den Chor übernommen. Mittlerweile hat er auch eine Fortbildung als Spielleiter für Kinder- und Jugendstücke absolviert und sieht für sich neue Zukunftschancen.
Bekele T. ist studierter Schauspieler und geht seit Jahren durch das Wechselbad der Gefühle - auf ein Kurzengagement folgt erneute Arbeitslosigkeit, dann wieder ein Engagement. Er hat schon früher mit Jugendlichen gearbeitet. Jetzt arbeitet er erstmalig mit Grundschulkindern und findet es hoch spannend. Er hofft, dass seine Schule Möglichkeiten findet, ihn auch nach Auslaufen seiner ÖBS-Stelle weiter zu finanzieren, denn der Aufbau von künstlerischer Arbeit an Schulen dauert lange. "Die Langjährigkeit der Förderung, die es im ÖBS gibt, ist extrem wichtig", sagt die künstlerische Leiterin des KidSch-Projekts, Sigrun Drapatz. In den Schulen muss erst die Erkenntnis wachsen, dass Kunst und Kultur wichtige Bestandteile von Bildung sind und oft als Integrationsmotoren wirken gerade auch für solche Kinder und Jugendliche, die für herkömmlichen Unterricht kaum empfänglich sind. "Wir öffnen mit unserem Projekt die Schulen und schließen sie damit auf auch für die Zusammenarbeit mit externen Partnern", ist sich Meike von Appen vom Träger "Zukunftsbau" sicher. Sie hat das Projekt KidSch konzeptioniert und auf den Weg gebracht und möchte, dass es bei allen Schwierigkeiten, die es jetzt gibt, weiter läuft.